Das von dem Berliner Philosophen und Psychologen Max Dessoir 1889
vorgeschlagene Wort "Parapsychologie" ist von der griechischen
Vorsilbe para = neben abgeleitet und soll zum Ausdruck bringen,
daß diese Wissenschaft Vorgänge untersucht, die neben
den uns vertrauten, mit den normalen Kategorien unseres Weltverständnisses
begreiflichen Phänomenen auftreten. Die von der Parapsychologie
untersuchten Erscheinungen werden auch "Psi-Phänomene"
genannt und die Forschung "Psi-Forschung". Der Oberbegriff
"Psi" ist der 23. Buchstabe des griechischen Alphabets.
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Zu den Hauptbereichen der Psi-Forschung zählen:
- Das Problem, ob Menschen beziehungsweise Organismen Informationen
außerhalb der bekannten Sinneswege empfangen können.
Seit den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts hat sich der Begriff
"
Außersinnliche Wahrnehmung"
(=ASW) als Abkürzung für Wahrnehmung außerhalb
der uns bekannten Sinnesorgane eingebürgert. Man unterscheidet
drei Formen:
Telepathie, früher
zu eng als "Gedankenübertragung" bezeichnet,
Hellsehen und
Präkognition
(Vorauserkennen). Der Begriff "
Prophetie"
wird in der Parapsychologie vermieden, da er eigentlich der Heilsgeschichte
angehört. Neuerdings wird im anglo-amerikanischen Sprachgebrauch
der Begriff "Remote Viewing" (
Fernwahrnehmung)
für
Hellsehen und
Präkognition verwendet im Sinne von Wahrnehmung von räumlich oder zeitlich fernen Ereignissen.
- Das Problem, ob Menschen oder allgemein Organismen auf eine
physikalisch zur Zeit nicht erklärte Weise auf Dinge der
Körperwelt, auf materielle Systeme, einwirken können.
Man bezeichnet eine solche Einwirkung als "
Psychokinese"
(früher auch
Telekinese)
in der Bedeutung von "psychisch ausgelöste Bewegung".
Zu diesem Bereich zählt man auch die umstrittenen Materialisationen,
die unerklärte Neubildung von Materie in Abhängigkeit
von einem sogenannten
Medium
oder einem Sensitiven - Menschen, die eine besonders ausgeprägte
"Psi-Begabung" besitzen.
Im Zuge der Forschung ist es immer deutlicher geworden, daß
die Parapsychologie viele Nachbarwissenschaften berührt und
ihre Methoden benötigt, wie etwa Physik, Physiologie, Biologie,
Chemie. Die moderne Forschung hat deshalb auch eine neue Terminologie
eingeführt als neutralere Bezeichnung ihres Gegenstandsbereiches.
Das Gesamtgebiet der Psi-Forschung wird neuerdings unter dem Begriff
"anomale mentale Phänomene" (
AMP)
zusammengefaßt, zumal es Anomalien im Bereich mentaler Phänomene
umfaßt. Der neue Begriff für die außersinnlichen
Wahrnehmung lautet "anomale Erkenntnis" (von engl. anomalous
cognition,
AC). Da sich die
Laborforschung über
Psychokinese
(
PK) weitgehend auf Mikroeffekte in sogenannten stochastischen
(zufälligen) Systemen konzentriert, werden für diese
Wirkungen zwei Begriffe bevorzugt: "Anomale Störung"
(von engl. anomalous perturbation,
AP) oder
"Geist-Materie Interaktion" (von engl. mind-matter interaction,
MMI). Die noch ungeklärte paranormale Wirkung
auf Lebewesen, etwa beim
Heilen,
wird als "direkte mentale Beeinflussung lebender Systeme"
(von engl. direct mental influence on living systems,
DMILS)
bezeichnet.
Die wissenschaftlichen Untersuchungen der Parapsychologie seit
den 20er Jahren unseres Jahrhunderts unter J. B. Rhine in den
USA und später in vielen Teilen der Welt haben die Existenz
von außersinnlicher Wahrnehmung und
Psychokinese
statistisch und in qualitativen Versuchen feststellen können.
Da diese Phänomene aber nicht beliebig wiederholbar und leicht
störbar sind, sieht sich die Psi-Forschung ständigen
Kontroversen ausgesetzt. Die Akzeptierung von Phänomenen
wie Zukunftsschau (
Präkognition),
Gedankenlesen (
Telepathie),
Außerkörperliche Erfahrungen ("Astralreisen"),
Spuk (spontane wiederkehrende Psychokinese) usw.
stellt einen bedeutsamen Angriff auf die materialistisch-mechanistische
Weltsicht des hergebrachten naturwissenschaftlichen Paradigmas
dar.
Eine neue Ausrichtung der Forschung, die sogenannten Transpersonalen
Wissenschaften, bedienen sich zunehmend der Ergebnisse parapsychologischer
Forschung, um ein neues ganzheitliches und den Materialismus und
Mechanismus, sowie die kartesianische Trennung von Geist und Materie
überschreitende
Paradigma
zu unterstützen, während die Wissenschaft des "alten"
Paradigmas darauf beharrt, die paranormalen Erscheinungen
als Täuschungen, Halluzinationen, Betrug und Irrtum anzusehen.
In jüngster Zeit erhielt die Psi-Forschung vor allem von
seiten der
Quantenphysik
bedeutende naturwissenschaftliche Unterstützung. Bestimmte
quantenphysikalische Beobachtungen haben zu ersten theoretischen
Ansätzen geführt, um einige Psi-Phänomene, speziell
aus dem Bereich der
Psychokinese,
beschreiben zu können.