Mysterium Online: Wenn
Psi eine allgemein verfügbare Fähigkeit ist, kann man sie trainieren?
Dr. E. R. Gruber: Nur bedingt. Eigentlich können Psi-Fähigkeiten nicht trainiert werden. Jene, die über außergewöhnliche Psi-Begabungen verfügen, können ihre Fähigkeiten durch Psi-Training nicht steigern, jene die gewöhnlich begabt sind, werden durch Training nicht zu Psi-Stars. Allerdings kann man durch geeignete Übungen und durch Psi-Experimente lernen, paranormale Eindrücke bis zu einem gewissen Grad von anderen Eindrücken zu unterscheiden und auf diese Weise das natürliche, unbewußte, autonome Psi-System der
fundamentalen Psi-Funktion bewußt zu nutzen. Auf meiner CD-ROM "
Mysterium" (
25 KByte) finden sich interaktive Psi-Experimente, durch die ein optimaler Zugang zum eigenen Psi-Potential eingeübt werden kann.
Mysterium Online: Welche Konsequenzen haben diese neuen Erkenntnisse?
Dr. E. R. Gruber: Die Konsequenzen sind ausgesprochen vielschichtig. Auf der einen Seite steht das große und umstrittene Feld des
paranormalen
Heilens (
Das heilende Bewußtsein). Wenn Intentionen direkte Effekte auf materielle Systeme ausüben, dann sollte das Bewußtsein in der Lage sein, ebenso auf körperliche Prozesse einer anderen Person Einfluß nehmen zu können. Eine Anzahl von Experimenten konnte diesen Effekt, der "direkte mentale Beeinflussung lebender Systeme" oder
DMILS genannt wird, nachweisen. Eine andere Folge der neuen Erkenntnisse läßt sogar die Hoffnung entstehen, daß
Psi technisch eingesetzt werden kann. Bei den Versuchen der
PEAR-Gruppe zeigte sich beispielsweise, daß die Effekte von Intentionen auf die Datenauswürfe von
Zufallsgeneratoren individuelle Merkmale erkennen lassen, sogenannte "Signaturen". Offenbar weisen die Interaktionen von Bewußtsein und Materie spezifische Eigenarten auf, die konstant sind und anhand derer man die Urheber ermitteln kann. Ein Gerät, das auf die Struktur des Bewußtseins einer Person reagiert, ist keine Zukunftsmusik mehr, sondern bereits im Stadium der Erprobung.
Mysterium Online: Sind
Psi-Effekte nicht viel zu schwach, um wirklich technisch nutzbar zu sein?
Dr. E. R. Gruber: Eine brandneue Entdeckung läßt uns hoffen, daß wir in Zukunft mit viel stärkeren und verläßlicheren Psi-Effekten in den Labors rechnen können. In einem amerikanischen Institut wurde zum ersten Mal eine physikalische Variable entdeckt, die mit der Qualität von
anomaler Kognition korreliert. Wenn diese physikalische Einflußgröße gegeben ist, erhöht sich die Leistung in Psi-Tests um sage und schreibe 400 %! Ein außerordentliches Ergebnis, das in der Gemeinschaft der
Parapsychologen für großen Wirbel sorgt und der bedeutendste Durchbruch in der 100jährigen Geschichte der Psi-Forschung sein kann. Worum es sich bei dieser Einflußgröße handelt, beschreibe ich detailliert in meinem Buch "
Die Psi-Protokolle".
Mysterium Online: Die erwähnten Fortschritte wurden vor allem in den USA erzielt. Gibt es auch anderswo aktive
Psi-Forschung?
Dr. E. R. Gruber: Auch in Europa werden wichtige Fortschritte erzielt, etwa am
Koestler-Lehrstuhl der Universität Edinburgh, an der
Universität Amsterdam, und in Deutschland an den Universitäten in
Freiburg und Giessen. Aber wichtige, in Zukunft vielleicht entscheidende Impulse kommen aus dem fernen Osten, aus China und Japan. Dort hat man die
Parapsychologie erst in den letzten 15 Jahren eigentlich entdeckt. Sie wird unter dem Oberbegriff
Qi Gong-Forschung betrieben. Auf der Suche nach
subtilen Energien werden
Psi-Phänomene als außergewöhnliche Fähigkeiten des menschlichen Körpers betrachtet. In China hat sich die Erforschung dieses Bereichs zu einer breit angelegten Fachrichtung mit zahlreichen Forschern und Institutionen ausgeweitet. In Japan werden mit einem eindrucksvollen Aufgebot an High-Tech-Geräten die physiologischen Begleiterscheinungen von
Psi untersucht. Das "
Bio-Emissionslabor" in Chiba hat auf diesem Gebiet zahlreiche sehr aufschlußreiche Experimente durchgeführt.
Mysterium Online: Ein umfangreicher Abschnitt Ihres Buches "
Die Psi-Protokolle" beschäftigt sich mit dem Einsatz von
Psi zu Spionagezwecken. Wurde dieses Geheimprojekt des US-Verteidigungsministeriums nach 23 Jahren wegen Erfolglosigkeit aufgegeben?
Dr. E. R. Gruber: Wäre es erfolglos gewesen, hätten es die Geheimdienste schon nach wenigen Jahren aufgegeben. Im Zuge des Projekts wurden zahlreiche außerordentliche Erfolge verbucht. "Psi-Spione" waren in der Lage, ihnen unbekannte Örtlichkeiten und Einrichtungen bisweilen mit erstaunlicher Präzision zu beschreiben. Aufgegeben wurde das Programm, als sich herausstellte, daß
Psi nicht zu einem fehlerfreien Instrument der Informationsbeschaffung gemacht werden konnte. Auch die besten "
Remote Viewer" wie Ingo Swann (
Remote Viewing des Planeten Jupiter), Pat Price (
Psi-Spionage in Aktion) oder Joe McMoneagle (
Joe McMoneagle und der XM-1 Panzer,
Remote Viewing des "Typhoon" U-Boots) mußten Fehlschläge verkraften. Spionage ist aber auf Präzision angewiesen. Obwohl
Psi-Informationen vermittelt wurden, die weit jenseits der Zufallserwartung lagen, war das Fehlen der letzten Sicherheit ausschlaggebend dafür, daß die Geheimprojekte gestoppt wurden.
Mysterium Online: Welche Ergebnisse haben die Geheimforschungen erbracht?
Dr. E. R. Gruber: Sie haben zu zahlreichen Neuerungen und Einsichten geführt, die sich in neuen methodischen Ansätzen und in einem vertieften Verständnis des
Psi-Prozesses niederschlagen. Ich diskutiere diese Ergebnisse und die Entwicklung des
Remote Viewing-Prozesses eingehend in meinem Buch "
Die Psi-Protokolle".
Mysterium Online: Heute werden von verschiedenen Instituten Ausbildungen in
Remote Viewing angeboten. Was ist davon zu halten?
Dr. E. R. Gruber: Wie ich bereits sagte, ist das Training von
paranormalen Fähigkeiten nur sehr eingeschränkt möglich. Einige kommerzielle Anbieter, beispielsweise ein obskures Institut in Hamburg, versprechen eine haarsträubende Treffsicherheit von 100 % durch die von ihnen ausgebildeten
Remote Viewer. Für den einwöchigen Kurs muß man DM 8500,-- berappen. Durch solche Versprechungen kommen
Remote Viewing und die
Psi-Forschung leider in Mißkredit.
Wer ernsthaft an den Möglichkeiten und Grenzen von
Remote Viewing interessiert ist, sollte sich am
Cognitive Sciences Laboratory umsehen, bei den Forschern, die
Remote Viewing entwickelt und jahrelang untersucht haben.
Mysterium Online: Warum unterliegen viele Protokolle nach wie vor der Geheimhaltung?
Dr. E. R. Gruber: Viele
Remote Viewing-Sitzungen zur Überprüfung der Fähigkeiten bezogen sich nicht auf Ziele in fremden Ländern, sondern auf sensitive Einrichtungen in den USA - Einrichtungen, die der Bevölkerung nicht bekannt sind. Die USA können kein Interesse daran haben, daß diese Installationen durch Veröffentlichungen der Allgemeinheit bekannt werden. Zum anderen möchten die Verantwortlichen sicherlich vermeiden, daß sich herumspricht, in welchen Krisensituationen die Militärs auf die Hilfe von "
Psi-Spionen" zurückgegriffen haben, wenn die herkömmliche Agententätigkeit keinen Erfolg gebracht hatte.
Mysterium Online: Gab es solche Programme nur in den USA, oder haben auch andere Geheimdienste mit dem Einsatz von
Psi geliebäugelt?
Dr. E. R. Gruber: Vom BND ist nicht bekannt, daß er sich mit
Psi auseinandergesetzt hat. Ganz anders hingegen der KGB, der über Jahrzehnte eine finanziell sehr gut ausgestattete geheime
Psi-Forschung in der ehemaligen Sowjetunion kontrollierte. Viele Berichte und Bücher über eine angebliche "
Psi-Waffe" der Sowjets haben sich jetzt allerdings als Übertreibungen herausgestellt. Die Sowjets waren auch zu keinem Zeitpunkt dem Westen in der Anwendung von
Psi überlegen. Sie haben allerdings auf dem Gebiet der Fernbeeinflussung viele interessante Erkenntnisse gewonnen, die sich jetzt, nach dem Ende des kalten Krieges, für die Erforschung des Phänomens des
Heilens als wertvoll erweisen können. Inwieweit China an den Einsatz von
Psi bei der Agententätigkeit gedacht hat, ist weitgehend ein Feld der Spekulation. In meinem Buch stelle ich eine Vielzahl von eindrucksvollen, bislang völlig unbekannten Untersuchungen aus russischen und chinesischen Labors dar.
Mysterium Online: Herr Dr. Gruber, wir danken für dieses Gespräch.