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Uwe Topper
Wiedergeburt
Das Wissen der Völker


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Die Vorstellungen, die die Völker im Laufe ihrer Geschichte von der Wiedergeburt hatten, sind gewiß nicht gleich, aber doch einander so ähnlich, daß die Gesamtheit dieser Erkenntnisse fast als Naturgesetz gelten kann. Eine folgerichtige und naturwissenschaftliche Durchforschung dieses großen Fragenbereichs ergibt erstaunlich übereinstimmende Ergebnisse, die in den frühen schamanischen Stammesgesellschaften ihre erste Ausprägung fanden und teilweise bis heute lebendig geblieben sind. Wer der geistigen Entwicklung in unserer Geschichte aufmerksam folgt, wird staunen, wie viele unserer Denker die Wiedergeburtsvorstellung lebhaft befürworten und wie tief diese in unserem Bewußtsein verankert ist. Auch das frühe Christentum stand noch ganz im Einklang mit dieser uralten und weltweiten Erkenntnis.

Der Autor hat auf weiten Reisen und in tiefgreifenden Erlebnissen bei einfachen Volksstämmen und Religionsgemeinschaften ein Wissen erworben, das zu den Ursprüngen unserer Kultur zurückführt. Seine Folgerungen sind vorsichtig - aber erfahrungsgetragen - vorgebracht und können als gemeinsamer Nenner zahlreicher heutiger Veröffentlichungen zum Thema gelten.

Bei der Vorstellung von der vielfachen Wiederkehr des Menschen handelt es sich um ein seit frühester Zeit gewachsenes Weltbild, das in verschiedenartiger Gestalt und mit teilweise sich widersprechenden Vorstellungen bis heute weitergegeben wurde. Je nach Epoche wurden andere Gedanken in den Vordergrund gestellt. Ein einheitliches Lehrgebäude können wir dabei nicht erwarten.

Jene Menschen der Steinzeit, für die das Gesetz der Wiedergeburt der Lebewesen eine Grundtatsache war, schlossen sich selbst sicher nicht davon aus, sondern lebten im Bewußtsein ihrer Wiederkehr. Die schon in der frühen Altsteinzeit bezeugte sorgfältige Menschenbestattung und das Schmücken der Leichen mit lebensverkündender roter Ockererde weisen darauf hin, daß man an ein Weiterleben glaubte. Wäre man wirklich der Meinung gewesen, daß der Tote nur leblose Materie sei, dann hätte sich jede Art von ritueller Bestattung, Grabschmuck und gar wiederholter Kult an den Gräbern erübrigt.

Das seit 150 Jahren schrittweise übersetzte "Ägyptische Totenbuch", spricht fast ausschließlich von der Reise des Geistes im Jenseits und den großen Anstrengungen, die dort unternommen werden, damit eine Rückkehr in den Lebenskreislauf vermieden wird. Ähnliche Vorstellungen lehrte Zarathustra in Persien. Noch ausdrücklicher finden wir die Lehre in den indischen Weisheitsbüchern, den Veden, die mir ihrem unerschütterlichen Glauben an die strenge Wiederkehr aller Lebewesen bis heute die Grundlage der indischen Religion bilden. Buddha und Dschaina lehrten, wie man sich davon befreien könne.

Mit der Renaissance begann in Mitteleuropa die Rückgewinnung der Antike, doch unter dem Druck der mächtigen Kirche wurde ein völliges Wiederaufleben des Heidentums verhindert. Die Wiedergeburtenlehre gehörte zum Wissen der Elite und einiger zurückgebliebener Volksschichten. Von Lessing führte eine gerade Linie über Herder, Goethe, Kleist, Novalis, Hoffmann und Lenau - die Blüte der deutschen Klassik und Romantik überspannend bis zum eigentlichen Wiederaufleben der verschiedenen "Reinkarnationslehren", die durch den Einfluß der neuentdeckten Überlieferungen des alten Indien und Ägypten die Intellektuellen Europas beflügelten. Seitdem ist dieser Gedanke aus dem europäischen Geistesleben nicht mehr wegzudenken, zeitweise hat er die größten Dichter und Philosophen zu seinen Anhängern gezählt. Daß er sich trotzdem nicht im »einfachen Volk« durchsetzte, mag als Trägheit, aber auch als Erfolg der modernen Kirchen gewertet werden. ährend noch Ende des 19. Jahrhunderts viele Universitätsprofessoren die Reinkarnationstheorie verfochten und durchzeitgenössische Erfahrungen zu beweisen versuchten, hat sich das heutige Wissenschaftsgebäude geschlossen davon abgewandt. Angesichts der nur noch statistisch als verifizierbar geltenden Maßstäbe ist eine Aussicht auf wahre Erkenntnisse in der Natur und im Kosmos verschüttet worden.

Der Autor
Uwe Topper, Jahrgang 1940, hat ein Dutzend Bücher in Deutsch und Spanisch zu völkerkundlichen, kunsthistorischen und geschichtskritischen Themen veröffentlicht. Seine wissenschaftlichen Beiträge erschienen in Jahrbüchern wie »Zeitschrift für Ethnologie« (1975), »IPEK« (1973), Völkerkundemuseum München (2000), Institutum Canarium in Wien (seit 1979) u.a. Einige seiner neueren Bücher wurden ins Russische, Ungarische und Bulgarische übersetzt. Topper schrieb Artikel in pionierhaften Zeitschriften wie: »Zeitschrift für Anomalistik«, »Sagenhafte Zeiten«, »Synesis«, »DGG« u.a. und hielt Vorträge im Kreis der von ihm mitbegründeten Geschichtssalons in Berlin, Potsdam und Karlsruhe wie auch bei Freimaurern, Anthroposophen und an Universitäten. Zusammen mit internationalen Kollegen veröffentlicht er seine Arbeiten regelmäßig im Internet

Hohenrain Verlag, 2008, 400 S.
19,80 Euro
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